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Kennen – lernen – verstehen

Diözesanes Thema der Erwachsenenbildung 2008-2010

Im Sommer 2008 hat die Diözesanleitung der Erzdiözese Freiburg für die nächsten beiden Jahre als neues Thema der Erwachsenenbildung die Interreligöse Bildung aus christlicher Sicht gewählt.

Was ist damit beabsichtigt? Worum soll es gehen?

Papst Benedikt XVI meinte im vergangenen Juni: „ Wenn dieser Dialog (gemeint ist der Dialog mit Gläubigen nichtchristlicher Religionen) aufrichtig sein soll, muss er eine Reise des Glaubens sein. Deshalb ist es nötig für jene, die den Dialog voranbringen, in ihrem eigenen Glauben gebildet zu sein – und gut informiert über den Glauben anderer.“ Das hört sich einfach, ja selbstverständlich an, ist bei genauerem Hinschauen doch vielschichtig und komplex.

  Die Bildmontage hat die Fa. Schüssler/Mannheim erarbeitet.

Der Nürnberger Religionspädagoge Johannes Lähnemann hat einige „Weltreligionsdidaktische Grundregeln“ erarbeitet, die in diesem Zusammenhang hilfreich und gewinnbringend sind. Eine erste Grundregel heißt: „Die eigenen religiösen Traditionen für die Begegnung differenziert vergegenwärtigen.“ Demnach hat die kirchliche Bildungsarbeit die Aufgabe, die unsere Gesellschaft besonders bestimmende christlich-abendländische Tradition in ihren Fundamenten, ihrem Glaubensverständnis, ihren wesentlichen geschichtlichen Ausprägungen, in Kult, sozialer und ethischer Gestalt für unsere Gesellschaft zu erschließen. Dies geschieht z.B.

  • im Einüben eines zeitgemäßen Sprechens vom christlichen Glauben,

  • im altersgemäßen Eingehen auf Orientierungs- und Existenzfragen sowie auf Fragen der Lebensgestaltung,

  • in der Verknüpfung unserer Glaubenssymbole mit der eigenen Lebenserfahrung,

  • im ernsthaften Bemühen, die Begegnung mit Andersgläubigen als konstitutives Element christlichen Glaubens ernst zu nehmen.

Die dazu gehörige Kehrseite dieser Medaille findet sich in einer zweiten Grundregel: „Die verschiedenen Religionen in ihren spezifischen historischen und gegenwärtigen Strukturen und Kontexten, aber auch in ihren Beziehungen zueinander in den Blick bekommen.“ Wichtigste Voraussetzung dafür ist eine sensible Neugier, der Wille, sich differenziert zu informieren, hinzuhören und wahrzunehmen, was Menschen in den verschiedenen Religionstraditionen wichtig und „heilig“ ist, und dieses ohne dogmatische Scheuklappen zu tun. Für die konkrete Bildungsarbeit bedeutet dies,

  • sich an möglichst authentischen Informationen zu orientieren,

  • dem Eigencharakter der jeweiligen Religion auf die Spur zu kommen,

  • Verbindendes, Konvergierendes und Unterscheidendes differenziert wahrzunehmen.

Aufbauend auf diesen beiden Aspekten der Selbstvergewisserung können in der interreligiösen Begegnung Menschen aufeinander treffen, denen die Prinzipien und Grundlagen ihrer Religion bekannt und wichtig sind, die bereit sind, davon zu erzählen und dem anderen aktiv zuzuhören, die bereit sind, ihren Glauben argumentativ zu vertreten und die Überzeugungen des anderen zu respektieren. Prof. Lähnemann fasst dies in einer weiteren Grundregel in dem Satz zusammen: „Sich um Lernen in der Begegnung und durch die Begegnung bemühen.“ Begegnung ist ein ganzheitlicher, ein wechselseitiger Prozess. Es ist nicht Aufgabe der einen Seite zu geben, der anderen zu empfangen, sondern beide Seiten (bzw. auch mehrere Begegnungspartner) können sich mit ihren Traditionen einbringen und in den Austausch eintreten. Die Erfahrung, sich persönlich zu kennen, das Erleben der Gastfreundschaft, das Abenteuer einer Freundschaft führt zu dem nötigen Staunen und eröffnet neue Horizonte.

                                   

Die innere Haltung, die für eine gelingende Begegnung förderlich ist, hat der frühere Bischofs von Aachen, Klaus Hemmerle, in einem bemerkenswerten Satz zusammen gefasst Er lautet: „Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.“ Ich meine, diese Aussage kann eins zu eins als Orientierung und Maßstab für das neue diözesane Thema „kennen – lernen – verstehen. Interreligiöse Bildung aus christlicher Sicht“ übernommen werden.

Was soll erreicht werden?

In der Auseinandersetzung mit dem diözesanen Thema verfolgt das Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg folgende Ziele:

Die Teilnehmenden an solchen Veranstaltungen

  • kennen die Prinzipien und Grundlagen der eigenen christlichen Religion und dies vor allem im Blick auf gängige Einwände anderer Religionen wie z.B. zu den Stichworten Christologie, Trinität, Theodizee, Verständnis vom Menschen usw.,

  • fühlen sich in ihrer persönlichen Glaubensentscheidung und Glaubens-wert-schätzung gestärkt,

  • lernen die Grundlinien und die prinzipielle Denkweise der anderen Religionen kennen,

  • wissen um die Wirkung der religiösen Prinzipien der Weltreligionen bei uns im Alltag,

  • können zwischen kulturellen Prägungen und religiös begründeten Verhaltensweisen unterscheiden,

  • sind bereit, in Begegnungen mit Vertreter/innen anderer Religionen ins Gespräch zu kommen, den eigene Glauben zu vertreten, den Glauben anderer zu respektieren und sich mit ihm auseinander zu setzen, sowie Unterschiede und Trennendes auszuhalten.

Und wie geht das nun? Gibt es dafür Hilfen?

Damit das diözesane Thema Bodenhaftung bekommt und an möglichst vielen Orten der Diözese in Veranstaltungen der Erwachsenenbildung aufgenommen wird, werden wir nach und nach (Hintergrund-)Informationen, Materialien und Veranstaltungsideen zur Verfügung stellen. Im Einzelnen denken wir dabei u.a. an
 

  • eine Zusammenstellung und Kommentierung empfehlenswerter Materialien
    (Bücher, audio-visuelle Medien, Arbeitsblätter, ….)

    • eine Auflistung konkreter Veranstaltungstitel und Veranstaltungsideen

    • (Regionale) Referentenverzeichnisse

    • (Regionale) Listen seriöser Ansprechpartner anderer Religionen

Diese Hilfen werden immer wieder aktualisiert und erweitert. Es lohnt sich daher, immer mal wieder auf den Internet- und Intranetseiten des Bildungswerkes nach dem neuesten Stand zu schauen. Sollten Sie diese Möglichkeit nicht haben, erhalten Sie diese Unterlagen auch über Ihr zuständiges Bildungszentrum.

 

                                   

Fazit

Ich bin davon überzeugt, dass das neue diözesane Thema „kennen – lernen – verstehen. Interreligiöse Bildung aus christlicher Sicht“ eine Vielzahl von Möglichkeiten bereit hält, die in den unterschiedlichen Situationen örtlicher kirchlicher Erwachsenenbildung umgesetzt werden können. Bevor Sie sich aber Gedanken machen, wen Sie als Referent/in einladen oder wie Sie Ihre Veranstaltung ankündigen, wünsche ich Ihnen: Gönnen Sie sich vor den konkreten Planungen ein Gespräch in Ihrem Team oder mit Vertreter/innen Ihrer Kooperationspartner zu den Überlegungen dieses Artikels. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass es für Sie zur (Selbst-) Vergewisserung und zur Begegnung mit Ihren Gesprächspartnern führt. Und möge der Gedanke von Bischof Hemmerle Ihnen dabei eine gute Hilfe sein: Lass mich dich lernen / dein Denken und Sprechen / dein Fragen und Dasein / damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.

Matthias Berg

 

Sie können sich weiter informieren bei der Mediathek für Pastoral- und Religionspädagogik im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg unter www.mediathek-freiburg.de.

Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg