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"Eingebunden in den Gesamtauftrag der Kirche ist die Erwachsenenbildung eine notwendige Ergänzung zur kirchlichen Pastoral, mit der sie in unauflöslichem Zusammenhang steht. Wenngleich kirchliche Erwachsenenbildung nicht zuerst Seelsorge ist, so geht sie die von ihr aufgegriffenen Fragen doch wie jene im Geiste des Evangeliums an. Auch der kirchlichen Erwachsenenbildung geht es letztlich um Umkehr und Erneuerung, um die Orientierung an der Frohbotschaft Jesus Christi. Daher ist die Pastoral auf die Erwachsenenbildung angewiesen, ebenso wie umgekehrt die Erwachsenenbildung auf die Pastoral."
(Bischof Dr. Walter Kasper in "Erwachsenenbildung als kulturelle Diakonie", Stuttgarter Hefte). - Menschliches Leben ereignet sich heute im Neben- und Miteinander verschiedenartiger Lebensentwürfe in voneinander unabhängigen sozialen Umfeldern.
Die eigene Rolle muß sich damit nicht mehr nur in ein oder zwei sozialen Feldern, sondern in unterschiedlichen Bereichen behaupten, die sich oftmals gegenseitig ausschließen. - Im Vertrauen auf Gottes Wort nehmen wir seine Schöpfung und unser Leben an. Zentrale Fragen des Lebens greift kirchliche Erwachsenenbildung bewußt auf und sorgt mit dafür, daß in der heutigen Gesellschaft die Botschaft Jesu hörbar und ihr Menschenbild sichtbar bleiben.
- Das christliche Menschenbild schließt eine ganzheitliche Sicht des Menschen ein; diese macht ein Programmangebot zu allen Lebensbereichen notwendig. Darum erreicht Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft Menschen mit kirchlicher Prägung ebenso wie Menschen, die Distanz zu Kirche und Glauben haben.
In der Bildungsarbeit gibt es zunehmend die Erfahrung, daß bei Veranstaltungen der kirchlichen Erwachsenenbildung seelsorgerliche Fragen und Probleme angesprochen werden, die eine pastorale Reaktion erfordern. Auch hat nicht alles, was als "pastoral" gilt, einfach einen Vorrang vor der Bildungsarbeit, als ob es dem Kern der Botschaft Jesu "näher" stünde. - In einem offenen Dialog wollen wir uns selbst und unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu befähigen, sich im Kontext heutiger Lebensverhältnisse mit dem Evangelium auseinanderzusetzen.
Die dialogische Orientierung schließt Fundamentalismen jeder Art sowie eine manipulative Methodik aus. - Das Ziel unserer Arbeit ist es, christliche Wertvorstellungen und christliches Wissen über die menschliche Existenz in die persönliche und gesellschaftliche Wertefindung und Meinungsbildung einzubringen.
Wir sind dem christlichen Lebensentwurf des Erwachsenen, wie er sich in die verschiedenen Dimensionen menschlichen Lebens hinein entfaltet, verpflichtet. - "Der Mensch ist berufen, in der ihn umgebenden Gemeinschaft seine Gaben in Freiheit und in der Erfüllung des chilstlichen Sittengesetzes zu seinem und der anderen Wohl zu entfalten." (Verfassung des Landes Baden-Württemberg, Art. 1, Satz 1). Dieser Satz der Landesverfassung gibt der Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft einen Ort im System der Staat-Kirche-Beziehungen im Land Baden-Württemberg. Er verpflichtet die Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft zu einer offenen und öffentlichen Bildungsarbeit aus christlicher Verantwortung. Die Arbeit der Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft gilt in erster Linie dem "Wohl aller Menschen und erst sekundär dem Wohl der Kirche (Vat.II. Gravissimum Educationis?)
- Grundlage der Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft ist die Überzeugung, daß Menschen durch den Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten allein weder Glück noch Sinn finden. Vielmehr sollen sie sich mit Hilfe des erworbenen Wissens unter sich ändernden gesellschaftlichen und kirchlichen Bedingungen orientieren zu können.
In diesem Prozeß übernehmen christliche Wertvorstellungen und christliches Wissen über die menschliche Existenz eine ordnende und systematisierende Funktion. - Diese Orientierung an christlichen Wertvorstellungen drückt sich auch dadurch aus, daß wir die Prinzipien der Personalität, Subsidiarität und Solidarität ernstnehmen und umsetzen. Erwachsenenbildung in der Erzdiözese Freiburg wird auf der Ebene der Pfarreien und der Kreise größtenteils von und mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen.
Was leistet Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft? - Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft heißt wesentlich: den Dialog zu lernen, zu üben und zu organisieren. Dieser Dialog ereignet sich im Horizont christlicher Wertvorstellungen und christlichen Wissens über die menschliche Existenz. "Ein solcher Dialog ist immer auch für alle Beteiligten eine Herausforderung. Es geht darum, auf den anderen zu hören, im Zeugnis sich selbst zu öffnen und zu lernen, aber auch darum, im Wagnis den Ausgang und die Fruchtbarkeit des Dialogs einem anderen zu überlassen." (Bischof Karl Lehmann, Vom Dialog als Form der Kommunikation und Wahrheitsfindung in der Kirche heute, Eröffnungsreferat bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, 19. September 1994, Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz 17, S.6). Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft sorgt so dafür, daß Christen die Situation von Kirche und Gesellschaft wahrnehmen. Sie trägt zur geistigen und kulturellen Lebendigkeit christlicher Gemeinden bei.
- Dieses Ziel verfolgt Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft auf verschiedenen institutionellen Ebenen: auf der Ebene der Pfarrgemeinden, auf der Ebene der Region/des Dekanats und auf der Ebene der Diözese. Sie wird die Orte und Möglichkeiten des Dialogs nur finden, wenn sie selbst dialogisch organisiert ist.
- Ein Bildungswerk ist eine Möglichkeit, die Erwachsenenbildung einer Pfarrgemeinde dialogisch zu organisieren. Als Arbeitsgemeinschaft aller an der Erwachsenenbildung einer Pfarrei Beteiligten ist ein Bildungswerk wesentlich darauf angewiesen, daß der Dialog zunächst einmal zwischen allen Trägern von Erwachsenenbildung und Interessierten - Pfarrer, hauptamtliche pastorale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Gemeindekatecheten und -katechetinnen, ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Teilnehmer und Teilnehmerinnen usw. - stattfindet. Erst eine den Dialog begünstigende Organisation macht Erwachsenenbildung zu dem offenen Tor einer Gemeinde, durch das alle, "Gläubige" und "Ungläubige", eintreten und auch wieder hinausgehen können.
- Entsprechend seiner Konstruktion als Arbeitsgemeinschaft aller Träger von Maßnahmen der Erwachsenenbildung einer Pfarrei sorgt ein Bildungswerk und sein Leitungsteam dafür, daß dieser Bereich des Gemeindelebens kontinuierlich gepflegt und wahrgenommen wird:
- Es bringt in Programmbesprechungen alle Verantwortlichen an einen Tisch und sorgt für die Terminkoordinierung.
- Es gibt ein gemeinsames Programm heraus, das häufig der Pfarrei als Visitenkarte gegenüber Neuzugezogenen dient.
- Es setzt sich dafür ein, daß die Verbände und Gruppen den Teil ihrer Erwachsenenbildung, der nicht nur von verbandsinterner Bedeutung ist, für die Gemeinde öffnen.
- Das Bildungswerk erweitert das Programm der Erwachsenenbildung einer Pfarrei durch für alle wichtige Themen.
- Das Bildungswerk sucht Referenten und Referentinnen und vermittelt Zuschüsse für die Bildungsarbeit. Wo es gut funktioniert, ist es ein Knotenpunkt des Gemeindelebens und entlastet Pfarrer und Pfarrgemeinderat.
- Für die Arbeit der örtlichen Bildungswerke nehmen die Bildungszentren subsidiäre Aufgaben war.
Dazu gehören: - das Angebot von Bildungsveranstaltungen, die ihrer Dimension nach die Mittel und Möglichkeiten örtlicher Bildungswerke übersteigen;
- Konzeption und Erprobung von aktuellen Veranstaltungsthemen, innovativen Veranstaltungsformen und Modellen; hier haben die Bildungszentren Vorbild- und Motivationsfunktion für die örtliche Ebene;
- Beratung, Aus- und Weiterbildung der ehren- und nebenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen;
- technische, organisatorische und finanzielle Hilfen,
- Referentenvermittlung und Programmberatung.
- Darüber hinaus haben die regionalen Bildungszentren eine charakteristische Funktion im Gesamt der kirchlichen Erwachsenenbildung
- als Orte der offenen Begegnung und Auseinandersetzung mit Menschen/Themen, die von örtlichen Bildungswerken und anderen kirchlichen Angeboten nicht oder nur unzureichend angesprochen werden;
- als Einrichtungen, die das Profil der kirchlichen Erwachsenenbildung in der Öffentlichkeit gegenüber anderen Erwachsenenbildungseinrichtungen, innerkirchlich und auf der regionalen politischen Ebene entscheidend mitprägen.
- Auf diözesaner Ebene entwickelt das Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg Angebote und Modelle, in denen aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und kirchliche Fragestellungen durch die hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Bildungswerks im Zusammenwirken mit den Verantwortlichen aller Ebenen der kirchlichen Erwachsenenbildung aufgegriffen und reflektiert werden. So erbringt das Bildungswerk mit seinen Einrichtungen eine Leistung, die für ein zukunftsorientiertes kirchliches Wirken insgesamt in allen Bereichen von Bedeutung ist.
Der gesellschaftliche Stellenwert der Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft - Wir sind Zeugen und Betroffene tiefgreifender und globaler gesellschaftlicher Veränderungen, die im wesentlichen mit sich beschleunigenden und sehr komplexen technologischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Innovationsprozessen zusammenhängen:
- Auch die Kenntnisse und Fertigkeiten des einzelnen, z.B. die Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens, unterliegen diesem Wandel. Sie bedürfen der ständigen Anpassung an neue Entwicklungen. Deshalb ist Lernen heute viel stärker als in der Vergangenheit notwendig lebenslanges Lernen. Mittlerweile gibt es einen neuen gesellschaftlichen "Slogan": Ich lerne, also bin ich.
- Der Weg hin zur Informationsgesellschaft fordert uns heraus, unsere Vorstellungen von Bildung, ihren Inhalten und der Art ihres Erwerbs zu überprüfen und zu verändern. Der Anteil unseres Wissens, der der alltäglichen Lebensbewältigung dient, unterliegt starken Veränderungen. Die Fülle des verfügbaren Wissens zwingt uns auszuwählen. Kriterien und Wege dazu kann die Erwachsenenbildung vermitteln.
- Informationsgesellschaft bietet aber auch Lernmöglichkeiten, die, sinnvoll genutzt und eingesetzt, zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Einen entwickelte Persönlichkeit ist die Grundlage für eine verantwortete Meinungsbildung und für die Teilnahme an Prozessen der gesellschaftlichen Wertefindung und Willensbildun
Aus diesen Gründen wird der Stellenwert der Erwachsenenbildung in unserer Gesellschaft allgemein hoch eingeschätzt.
- 1995 nehmen mehr als 5 Mio. Menschen an Veranstaltungen der allgemeinen Erwachsenenbildung in unserem Land teil. Die Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft erreichte dabei mit über 2,5 Mio. Besucherinnen und Besuchern mehr Menschen als alle Volkshochschulen im Land zusammen.
Die Menschen schätzen an den Angeboten der Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft - die hohe inhaltliche Qualität;
- den Nutzen für ihre individuelle Lebensführung;
- die weltanschauliche Kompetenz und Glaubwürdigkeit;
- das besondere Ambiente, die offene und persönliche Atmosphäre in den Veranstaltungen.
- Der Stellenwert der Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft wird steigen, wenn es gelingt, die kommenden Herausforderungen anzunehmen und zu bewältigen.
- Irritation und Orientierungslosigkeit nehmen zu. Erwachsenenbildung in kirchlicher Trägerschaft befähigt die Menschen dazu, die Welt besser zu verstehen. Sie bietet Orientierung, macht Angebote zum Verständnis, zum Lesen der Welt.
- Sie fördert die Entscheidungsfähigkeit des/der einzelnen in persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Fragen.
- Sie befähigt die Menschen, an Wertfindungs- und Entscheidungsprozessen in unserer Gesellschaft aktiv und qualifiziert teilzunehmen.
- Sie ermutigt Christen, am öffentlichen Leben teilzunehmen und unsere Gesellschaft in christlicher Verantwortung mitzugestalten.
Dabei gilt es, die gegenwärtigen Bedürfnisse der Menschen wahrzunehmen, Trends und Entwicklungen zu beobachten und in den Bildungsangeboten aufzugreifen. Damit leistet die Erwachsenenbildung in katholischer Trägerschaft in Baden-Württemberg im Rahmen des pluralen Weiterbildlungssystems einen unverzichtbaren Beitrag.
Freiburg, im Januar 1997.
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Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg |
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